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07.09.2010, 09:31 Uhr Übersicht | Drucken
Wirtschaft war nicht wettbewerbsfähig
ZU „20 JAHRE EINHEIT: PLATZECK KRITISIERT DDR-,ANSCHLUSS’“, 30. 8., S. 1


 

**Wenn Herr Platzeck den Einigungsvertrag und den „Anschluss“ der DDR an die Bundesrepublik derart kritisiert, von gnadenloser Deindustrialisierung und vom Fehlen kleinster symbolischer Gesten in Richtung Osten spricht und zudem beklagt, dass den Ostdeutschen das Gefühl vermittelt worden sei, sie müssten alles wegwerfen, es war alles Stasi und ideologieverseucht, bläst er in das Horn von Lafontaine und in das der Partei Die Linke. Mit diesen Äußerungen negiert er Tatsachen auf fragwürdige und populistische Weise.



 


Tatsache ist doch wohl, dass es die Ostdeutschen waren, die skandierten: „Kommt die D-Mark nicht zu uns, kommen wir zu ihr“! Tatsache ist auch, dass der damalige Bundeskanzler Kohl immer wieder gesagt hat, die Menschen in Ostdeutschland seien gut ausgebildet, fleißig und bereit, die neuen Chancen der Marktwirtschaft zu ergreifen, um das Land wieder aufzubauen, so dass am Ende blühende Landschaften entstehen werden... Was wäre wohl passiert, wenn die DDR weiter bestanden hätte und die DM nicht gekommen wäre? Darüber kann man nur spekulieren. Aber eine massive Abwanderung von Menschen im leistungsfähigen Alter wäre doch wohl die Folge gewesen. Insofern gab es zum schnellen Beitritt keine vernünftige Alternative. Besonders unverständlich und völlig daneben sind die Worte „sie müssten alles wegwerfen, es war alles Stasi und ideologieverseucht“. Tatsache ist doch wohl, dass es die Ostdeutschen waren, die endlich mal ein „richtiges Auto“ fahren, die Heimelektronik nicht nur im Intershop bewundern und Möbel nach ihrem Geschmack besitzen wollten. Niemand vermittelte uns das Gefühl, wir müssten alles wegwerfen, im Gegenteil, wir fuhren weit in den Westen hinein, um unsere Konsumwünsche zu erfüllen. Will Platzeck bestreiten, dass es die Ostdeutschen waren, die 1989 forderten: „Stasi in die Produktion!“? War das Land nicht stasi- und ideologieverseucht? Waren wir es nicht selbst, die den Reinigungsprozess gefordert haben? ... Zur Deindustrialisierung kann ich nur sagen, da die DDR-Wirtschaft auf Verschleiß gefahren wurde, hatte kaum ein Betrieb wirkliche Überlebenschancen am Markt. Dazu kam, dass die für die DDR-Wirtschaft wichtigen Ostmärkte weggebrochen waren. Nur mit sehr viel Geld aus dem Westen konnte sich in den neuen Ländern wieder eine wettbewerbsfähige Industrie ansiedeln. Ich erinnere nur an Leuna, was nur noch eine Industriebrache war. Hier der Bundesrepublik Deindustrialisierung vorzuwerfen, ist höchst unfair.

H.-J. RISTO, Potsdam

07.09.2010, 09:32 Uhr

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